Warum digitale Musikvermarktung nicht funktioniert

Die Musikindustrie ist in der Krise, illegale Downloads machen das Geschäftsmodell der alteingesessenen Konzerne zu nichte. So sagen sie zumindest selbst. Um weiterhin Geld zu verdienen müssen also neue Vertriebswege her. Da bietet es sich an, digitale Downloads selber zur Verfügung zu stellen. Da Kopieren um Teufel komm raus unterbunden werden soll muss natürlich ein DRM (digitale Rechteverwaltung) System her. Und genau das ist das Problem, weshalb das digitale Vermarkten von Inhalten im Internet für mich und jeden rational denkenden Menschen nie funktionieren wird.

Um dies zu verdeutlichen möchte ich nun eine persönliche Episode meiner Auseinandersetzung mit Amazon darbieten.

Alles beginnt damit, dass mich Amazon per Mail informiert dass ein 2010 von mir gekauftes Vinyl Album nun per Autorip für mich bereit steht. Der Grund warum ich mir seit einiger Zeit statt CDs nur noch Platten hole, ist dass ich diese legal in MP3 umwandeln kann. Leider ist dieses “Rippen” dann doch sehr aufwendig, weshalb ich mich über dieses Feature dann sehr gefreut habe.

Also schnell in meinen Cloudplayer geschaut … nix. Das Album war einfach nicht da. Der nächste Weg führte mich also zur Amazon Hilfe. Flott ne Mail an den Support geschickt, mal sehen was passiert. Die Antwort kam innerhalb eines Tages (sehr gut), scheinbar habe ich 3(!) Konten mit der selben(!) E-Mail Adresse. Huch, wie kann das denn sein ?!?! Kein Problem, im Chat können sie mir sicher helfen. “Odette” mit richtigem Namen wahrscheinlich Anschula aus Indien. Bat mir an die überflüssigen Konten zu löschen, die Musik wäre dann natürlich weg. Ob man die Musik transferieren kann ist nicht sicher und müsste mit der MP3 Abteilung besprochen werden. HALLO, wenn ich mein Konto lösche ist meine Musik weg und transferieren oder sichern ist keine standartmäßige Aktion… So ist digitale Vermarktung zum Tode verurteilt. Die Gefahr ist hier offensichtlich, dass die Rechte an ein Konto und nicht an eine Person gebunden sind (ist das eigentlich vom deutschen Recht her in Ordnung). Probleme treten also schon auf, wenn ich einfach kein Mitglied in der “Amazon familie” mehr sein möchte oder ich (oder Amazon) aus Versehen meinen Account lösche. Dann ist die Musik nämlich weg. Von einem Todesfall und einem eventuellen digitalen Vermächtnis brauchen wir gar nicht erst zu reden.

Mal sehen was jetzt passiert und ob Amazon es schafft meine Konten zusammenzulegen. Nichtsdestotrotz hat mir dieser Vorfall, die Gefahren von DRM  zurück ins Bewusstsein gerufen. Ich für meinen Teil bleibe dann erstmal doch bei Vinyl Platten und Spotify. Da weiß ich zumindest, dass ich die Musik nur hören kann solange ich brav monatlich bezahle und habe nicht die Illusion von digitalem Eigentum.  Eventuell schalten die Musikkonzerne in Zukunft ja doch irgendwann mal ihr Gehirn ein und veröffentlichen Musik und Filme ohne DRM. Dann sind digitale Käufe eventuell auch was für mich. 

Kleines Update, falls es irgendwen interessiert. Amazon hat sich einfach nicht mehr gemeldet. Soviel zu gutem Service :(

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